Einige meiner Gedichte

 


 

 

Vom Wege abweichen

 

Ihr Name war Leichtsinn, er hieß Vergessen.

Und zwischen ihnen die Leere der Tage.

  An einem Tisch haben sie mal gesessen

 Doch ungeklärt blieb die wichtigste Frage.

 

Ein letztes Mal deckt er die Tafel für zwei.

Ein sinnloses Treffen, gewürzt mit Verrat.

Er füllt ihr das Glas, denkt: Bald ist es vorbei.

Sie konnte nicht fliehen vom Ort seiner Tat.

 

Der Trank des Vergessens betäubte sie nur.

Sie fiel darauf rein, viel zu schwach war ihr Geist.

 Dabei tat sie gestern euphorisch den Schwur,

 den Platz zu meiden, der Bequemlichkeit heißt.

 

VERGESSEN und LEICHTSINN müssen sich trennen.

 Und er soll ihr nie mehr das Wasser reichen.

 Erwachend konnt sie die Absicht erkennen.

 Er wollte mit ihr vom Wege abweichen.

 

Julia M.

 

 


   

Vorbei

 

 

Befreiend diese Leichtigkeit im Kopf,

Verwirrend die Kälte Deiner Hände.

  Im Nebel Dein lautloses Winken.

 Dein Schmerz ist nicht meiner.

 Meine Gedanken sind nicht Deine.

 Ein Weg , gepflastert mit Deinen Tränen,

 führt mich an einen Ort der Wärme. 

 dort wo die Sonne  überwintert. 

 Hier im Licht, weit weg von Dir! 

 

 

Julia M. 

 

 

Gedanken  

 

 

Mit meinen Gedanken allein. 

 Ich denke an Dich. 

Vielleicht denkst Du auch grade an mich? 

Stell Dir vor unsere Gedanken treffen sich? 

Ob sie sich erkennen? 

Meine sagen, umarme mich!


 

Julia M.

 


 

Jahresringe

 

 

Du denkst. Du hast schon alles mal erlebt

und glaubst, die Zeit, sie wiederholt sich oft.

 Doch immer , wenn Dein Herz nach vorne strebt,

 kommt es ganz anders und meist unverhofft.

 

Die Jahre haben Deinen Sinn geherbt.   

 Spuren tief in Deine Haut getrieben.

 Dein Haar, Du hast es lange schon gefärbt.

 Manchen Liebesbrief hast Du geschrieben.

 

Ein neuer Morgen frische Jugend hat.

 Die Welt , sie wird genau wie Du auch greis.

Dabei ist jeder Tag ein Unikat.

Die alten Bäume stehen als Beweis.

 

Die Jahresringe zählen es Dir vor. 

 Du schnitzt’ die erste Liebe in den Ast

als Herz, es wuchs im Holz am Baum empor. 

Du hast bestimmt im Leben nichts verpasst!   

 

 

Julia M.

 


  

Herzhüpfen

 

 

Der Mond, er ist im Osten aufgestiegen. 

 So unheilvoll , so tief und übergroß

 die Kraterhöhlen dunkel in ihm liegen.

 Zu spät für eine Flucht, er stellt mich bloß.

 

 

Sein Licht ergießt sich über feuchte Wege,

erreicht den See, ein Silberspiegelschein.

Erhellt die mutlose Gestalt am Stege, 

die voller Gram versucht allein zu sein.

 

Noch vor Minuten, mörderischer Zorn

 mir im Gesicht, ein Knoten wild verzerrt

 bis tief ins Herz, vergiftet wie ein Dorn,

 der alles Helle unsrer Zeit verwehrt.

 

Es springt mein Herz aus der Verklammerung

und hüpft im Mondlicht wie befreit

vom Brückenpfeiler, setzt es an zum Sprung.

Taucht ohne Groll in eine andre Zeit.
 

 

Julia M.

 

 
 

 

Mond 2

 

 

Hast Du den Mond gesehn heut Nacht?

Er lief ganz schnell am Waldrand lang.

Schwamm übern See, so lautlos, sacht

und klettert rauf den steilen Hang.

 

An meinem Haus hielt er sich fest.

Sein kaltes Licht streift mein Gesicht.

Bevor er dann das Dach verlässt,

 grinst er mich an,  ich glaub es nicht!

 

Er rollt sich über Wolkenfetzen.

Ich schau verdutzt auf meine Uhr.

Noch nie sah ich ihn so sehr hetzen.

Ist ihm die Sonne auf der Spur?

 

Er hat bestimmt die Zeit vergessen.

Im Park hat er zu lang gelauscht.

Zwei haben dort verliebt gesessen

und sich an ihm entrückt berauscht.

 

 

Julia M.

 

 


 

Zitronensüß

 

 

Im Kokon, weiß eingesponnen,

windgedreht an einem Ast,

 angehängt um sich zu sonnen,

 schaukelt er am Seidenbast.

Reife Zeit sprengt seine Hülle,

faltet pergament sich weit.

Elfenzart die Farbenfülle,

duftig im Zitronenkleid.

Fliegt er an die Blumenbar,

leicht berauscht im Nektartanz.

Zitronensüß sein Leben war,

verglühend im Laternenglanz.

 

 

Julia M.

 

 


 

Bin Mime

 

 

Als Hauptdarsteller hast du dich beworben,

bei mir, sollt ich dich als Solisten sehn.

Doch deine Maske hat das Spiel verdorben

und dein Debüt, es konnte nicht bestehn.

 

Dein Auftritt macht Spagat im "Ersten Akt".

Die Lebensbühne ist für dich zu glatt.

Die Eitelkeit, du hast sie schlecht verpackt.

Dein Clownkostüm, ich habe es so satt!

 

Ich hab’s auch satt, nur dein Statist zu sein!

Die Rolle hab ich lang genug ertragen.

Die Bühne meiner Träume ist zwar klein,

doch hier hab ich alleine nur das Sagen.

 

Hier klatscht man Beifall, wenn ich singe, lache.

Mein Publikum, es sitzt im ersten Rang.

Verkleide mich als JULIA, mal als DRACHE.

Bin MIME , nicht nur eine Spielzeit lang.

 

 

Julia M.

 

 


 

Zauberei

 

 

Ich wollte schon immer ein Zauberer sein.

 Doch meine Hände, sie sind viel zu klein.

 Sie konnten Kaninchen und Taube nicht halten

 Und würden die Tücher im Hut nur zerfalten.

 

Ich wollte immer ein Zauberer sein,

 doch meine Hände, sie sind viel zu klein.

Ich hab schon das Stöckchen und den Zylinder.

Das Publikum kam, es sind meine Kinder.

 

Sie staunen und rätseln, wenn ich sie betöre.

Es ist fast gelungen, beinah, und ich schwöre,

es sind meine Hände, sie sind zu klein.

Ich wollte doch nur ein Zauberer sein!

 

Den Zaubergedanken will ich nicht verlieren.

Vielleicht kann ich’s ohne die Hände probieren?

Ich könnt ein zerschrammtes Knie heilpusten,

und warme Wickel gegen den Husten.

 

Und Rosenkohl ganz verschwinden lassen,

da den doch die meisten Kinder hassen.

Dann Maikäfern das Leben erretten,

mit Freunden um bunte Murmeln wetten.

 

Ganz ohne Magie setz mein Herz ich ein.

Vielleicht könnt’ ich doch noch ein Zauberer sein?

 

 

Julia M.

 

 


 

 

 

Zerbrechlicher Traum im Leben

 

 

Die Mauer zwischen Dir und mir,

für mich eine Festung aus Eis.

Wo ist die Geheimtür zu Dir?

Der Schlüssel von dem ich nichts weiß ?

 

Ertappe die Angst in der Nacht.

Erwische sie auf frischer Tat.

Mein leeres Herz hat sie bewacht.

Streut Zwietracht als keimende Saat.

 

Verschlossen sind Mauer und Haus.

Meinen Mut an der Leine ich führ.

Verweigre dem Schauspiel Applaus,

So steh ich im Weg mir zu Dir.

 

Die Liebe wollt ich Dir geben.

Doch sie schüttelt traurig den Kopf.

Zerbrechlicher Traum im Leben.

Ich konnt sie nicht packen am Schopf !

 

 

Julia M.

 

 

 


 

 

Seelenlandschaft

 

 

 Der Tag erscheint Dir zu hell,

zu laut die Sonne Dir lacht.

Die Blumen sind Dir viel zu grell.

Du wünscht Dir die lautlose Nacht.

 

Im Dämmerlicht wirst Du erst wach.

Du flüsterst mir heimtückisch zu.

 Im Dunklen schleichst du mir dann nach,

 verfolgst mich, lässt mich nicht in Ruh.

 

Du säst Deine Zweifel in mir.

Warum dies gefährliche Spiel ?

Wenn ich meinen Glauben verlier,

wär Deine Welt wieder mein Ziel.

 

Die Schwärze hält Dich verborgen.

Doch ich brauche Tag und das Licht.

Sehnsüchtig wart ich auf Morgen.

Dein Herzschlag erreicht mich hier nicht.

 

 Den Hass bekämpf ich mit Liebe,

zur Kur schick ich die Eifersucht.

Und was dann noch übrig bliebe,

versteck ich vor Dir auf der Flucht

 

 

Julia M.